Genutztes Flachdach: Definition, Vorteile & Beispiele

Von Gründach bis Dachterrasse: Entdecken Sie die verschiedenen Möglichkeiten, ein Flachdach zu nutzen, und lernen Sie anhand ausgewählter Praxisbeispiele des Flachdach Contest kennen, wie vielseitig Dachflächen gestaltet werden können.

Das Flachdach wird zur nutzbaren Fläche

Was ist ein genutztes Flachdach?

Ein genutztes Flachdach ist eine zusätzliche Fläche mit einem eigenem Zweck. Statt ungenutzt und versiegelt zu bleiben, wird die Dachfläche aktiv eingebunden: zum Beispiel als Grünfläche, Energiequelle, Aufenthaltsort oder zusätzlicher Wohnraum.

Damit geht ein genutztes Flachdach deutlich über die klassische Schutzfunktion eines ungenutzten Flachdachs hinaus. Gerade angesichts wachsender Städte, zunehmender Hitzeperioden und begrenzter Flächen wird diese Mehrfachnutzung immer wichtiger. Sie kann ökologische, soziale und wirtschaftliche Vorteile bieten sowie zusätzlichen Raum schaffen, ohne neue Flächen versiegeln zu müssen.

Überblick der Nutzungsarten

Ob Begrünung, Energiegewinnung oder Aufenthaltsfläche – genutzte Flachdächer lassen sich auf verschiedene Weise einsetzen. Je nach Gebäude, Standort und Anforderungen kann das Flachdach dabei unterschiedliche Funktionen übernehmen oder mehrere Nutzungen miteinander verbinden. Die folgenden sieben Nutzungsarten geben einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten und zeigen, wie vielseitig Flachdächer genutzt werden können.

Gründach
Begrünte Flachdächer (extensiv und intensiv) ermöglichen eine optimierte Wärmedämmung und verbessern gleichzeitig das Mikroklima in unseren Städten. Darüber hinaus schaffen sie einen natürlichen Lebensraum für Insekten und Vögel. Hinzu kommt, dass die zusätzliche Schutzschicht oberhalb der eigentlichen Abdichtung das Dach wirksam vor Witterungseinflüssen abschirmt.

© Roland Halbe, Teilnehmerprojekt 2026: Staatliche Realschule Kemnath

Urban Gardening
Dachflächen als blühende Gärten oder Anbauflächen zu nutzen, hat sich in den letzten Jahren als fester Trend etabliert. Das Flachdach eröffnet dabei unerwartete Möglichkeiten, einen blühenden Garten oder eine (gemeinschaftliche) Anbaufläche für Obst und Gemüse zu schaffen. Durch diese Nutzung können die Bewohnerinnen und Bewohner aktiv zur Förderung einer Stadtentwicklung beitragen und gleichzeitig davon profitieren.

© Jürgen Lehmeier, Teilnehmer-Projekt 2021: Das Gartenhaus

Solar-/Photovoltaikdach
Photovoltaik spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Energiewende. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil etwa dreimal so hoch sein wie heute, wobei rund die Hälfte der benötigten Photovoltaikanlagen auf Dachflächen entstehen sollen. Das Flachdach wird durch die Installation von Photovoltaikanlagen zu einem der zentralen Pfeiler der Energiewende. Ein Solar-/Photovoltaikdach leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Energieerzeugung und spielt eine Schlüsselrolle bei der Erreichung unserer Energieziele.

© Laren Management (Deutschland) GmbH, Teilnehmer-Projekt 2023: EcoHub

Retentionsdach
Retentionsdächer spielen eine bedeutende Rolle bei der Speicherung und verzögerten Ableitung großer Mengen Regenwasser in die Kanalisation. Gerade in Zeiten des Klimawandels tragen sie maßgeblich dazu bei, die negativen Auswirkungen von Starkregenereignissen einzudämmen. Durch diesen Prozess wird das lokale Mikroklima verbessert, da die erhöhte Verdunstung zusätzlich zu einer positiven Auswirkung beiträgt. Retentionsdächer sind somit wichtige Instrumente, um eine Wasserbewirtschaftung zu fördern und den Anpassungsprozess an den Klimawandel zu unterstützen.

© Architektur.dlx, Teilnehmer-Projekt 2026:Akademie für Theater und Digitalität

Dachterrasse
Insbesondere in dicht besiedelten Großstädten sind private Gärten oder Balkone oft rar. Allerdings bieten Flachdächer eine immense Chance, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit versiegelten Flächen. Durch die Umgestaltung zu privaten oder gemeinschaftlichen Dachterrassen können grüne Oasen geschaffen werden, die die Biodiversität stärken und die Hitzebelastung reduzieren. Mit überschaubarem Planungsaufwand werden wertvolle Flächen genutzt, ohne zusätzlichen Raumbedarf zu schaffen. Dachterrassen sind somit eine effektive Lösung, um den Mangel an Grünflächen in städtischen Gebieten auszugleichen und eine lebenswerte Umgebung zu schaffen.

© Dietmar Strauß, Teilnehmer-Projekt 2026: Erweiterungsbau für Forschung, Praxen und Labore der Humangenetik

Fitnessfläche
Bei Bedarf kann eine Flachdachfläche auch als Fitnessfläche genutzt werden, wie es beim neuen Hauptsitz der globalen Hotelsuchmaschine trivago in Düsseldorf beeindruckend umgesetzt wurde. Im Jahr 2020 wurde das Flachdach des Neubaus begrünt und zu einer Fitnessfläche umgestaltet, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit zum Joggen oder Yoga zu bieten. Dieses Beispiel zeigt, wie Flachdächer vielseitig genutzt werden können, um sowohl den Arbeitsplatz als auch das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern.

© Constantin Meyer, Gewinner-Projekt 2025: Die Kultur- und Sporthalle Alfter

Aufstockung
Sind die statischen Voraussetzungen gegeben, dann können Gebäude oberhalb des bestehenden Flachdaches auch aufgestockt werden. Dadurch kann dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden, ohne zusätzliche Flächen versiegeln zu müssen. Auf diese Weise könnten allein bundesweit rund 1,5 Millionen neue Wohnungen auf vorhandenen Wohngebäuden entstehen. Diese Möglichkeit der vertikalen Erweiterung bietet eine Lösung zur Bewältigung des Wohnraummangels und zur effizienten Nutzung bereits vorhandener Gebäudestrukturen

© Jean-Luc Valentin, Teilnehmer-Projekt 2025: Aufstockungen in der Siedlung Freudenberg

 

Tipp: Unabhängig von der gewählten Flachdachnutzung können Unternehmen zusätzlich davon profitieren, ihre genutzten Flachdächer in ihre Berichterstattung zu integrieren.

Flachdach Contest 2025

Genutztes Flachdach in der Praxis

Wie überzeugend und vielfältig genutzte Flachdächer in der Praxis umgesetzt werden können, zeigen die prämierten Projekte des Flachdach Contest 2025. Sie machen sichtbar, welches Potenzial in Dachflächen steckt und wie daraus zusätzliche Räume für Natur, Energie, Begegnung, Bewegung und Aufenthalt entstehen können. Dabei zeigen die ausgezeichneten Projekte, dass ein Flachdach weit mehr sein kann als der obere Abschluss eines Gebäudes.

Platz 1 des Flachdach Contest 2025 errang die Kultur- und Sporthalle Alfter von Königs Architekten aus Köln.

In Alfter bei Bonn haben Königs Architekten eine Kultur- und Sporthalle in Hybridbauweise realisiert, die zeigt, wie Architektur über ihre eigentliche Grundfläche hinaus wirken kann.

Unterirdisch liegen Sport- und Eventflächen, darüber ein Foyer mit Tribünen für rund 400 Besucher sowie ein Café. Der eigentliche Höhepunkt befindet sich jedoch ganz oben: Das Flachdach – eine öffentlich zugängliche Buchenholz-Konstruktion – wird als begehbare Dachlandschaft genutzt. Es schafft zusätzlichen Raum für Begegnung, Bewegung und Aufenthalt und wird damit selbst Teil des öffentlichen Lebens statt bloßer Gebäudeabschluss.

Damit besitzt dieses Projekt echte Strahlkraft und Vorbildcharakter im Hinblick auf genutzte Flachdächer: Aus einer Fläche, die sonst grau, technisch und ungenutzt bleibt, entsteht ein einladender, öffentlicher Ort für Bewegung, Begegnung und Aufenthalt. Jetzt die Jury-Begründung lesen.

© Constantin Meyer

Der 2. Platz des Flachdach Contest 2025 geht an die Volks- und Mittelschule Leystraße in Wien, geplant von hey! architektur bumeder wehmann architekten bda partgmbb aus München.

Mit der Erweiterung der Volks- und Mittelschule Leystraße im 20. Wiener Gemeindebezirk hat das Münchener Büro einen viergeschossigen Neubau realisiert, der den Bestand selbstbewusst ergänzt. Das architektonische Kernstück ist die multifunktionale Dachlandschaft, die dem Problem der fehlenden innerstädtischen Flächen mit intelligent und abwechslungsreich nutzbaren Flachdachflächen von pädagogischer Qualität begegnet.

Jury-Begründung lesen oder die Objekt-Seite besuchen, um weitere Details zu erfahren.

© David Schreyer

Platz 3 des Flachdach Contest 2025 geht an die Erweiterung der Schillerschule in Unna, geplant von Lindner Lohse Architekten.

Bei diesem Projekt wurde das Bestandsgebäude um eine zweigeschossige Kindertagesstätte und um Räume für den offenen Ganztag ergänzt. Architektonisch prägend ist das Motiv des genutzten Flachdaches in Verbindung mit einem begrünten Satteldach. Durch die Verbindung der flachen und der geneigten Gründächer entsteht eine harmonische Dachlandschaft, die Bestand und Neubau zu einem stimmigen Gesamtkonzept vereint. Die Einbindung der Dachlandschaft in das räumliche Gefüge – visuell wie funktional – zeugt von einer durchdachten Planung.

Hier die Jury-Begründung lesen oder direkt zur Objekt-Seite wechseln.

© Peter Stockhausen