BONN CITY
Bürozentrum für 1.000 Mitarbeiter für den Deutschen Herold / Zurich-Versicherung
am Alten Friedhof in Bonn
22.000 qm Nutzfläche
Parkhaus mit 240 PKW-Stellplätzen
1988 - 1994 Projektentwicklung
1994 - 1998 Realisierung
1999 - 2022 Nutzer: Zurich-Versicherung
seit 2023 Nutzer: Universität Bonn, Zentrum für Religion und Gesellschaft
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Generalanzeiger Bonn, 12.06.2018:
Grüne Oase in luftiger Höhe
Auf dem Dach der Zurich Versicherung an der Rabinstraße befindet sich ein stattlicher Dachgarten
Bonn. Eine Überraschung für Besucher der Bonnfinanz Aktiengesellschaft, die zur Zurich Versicherung gehört, bietet das Haus an der Rabinstraße auf dem Dach: eine grüne Oase mitten in der Stadt. In der fünften Etage befindet sich eine Grünanlage, die man schon fast als kleinen Park bezeichnen kann.
Ein kleiner Teich, zahlreiche Bäume, Wege mit Naturpflaster, freie Flächen mit Sitzecken, und viele verschiedene Pflanzen schaffen hier ein Klima, das so gar nicht in eine Innenstadt passen will. Besonders dann, wenn die Temperaturen, wie in den letzten Tagen, hochsommerlich sind und der Straßenbelag die Hitze widerspiegelt. Eine leichte Brise weht hier oben und es sind gefühlt einige Hitzegrade weniger als unten im Dschungel der Großstadt.
Zu einer Exkursion aufs Dach hatte Francis Hugenroth vom Projekt „Stadt und Land im Fluss“ des Wissenschaftsladens (Wila) Bonn eingeladen. Dabei ging es um die klimatischen und ökologischen Vorteile von Dachbegrünung, die von der Initiative „AG Grüne Infrastruktur“ der Universität Bonn vorgestellt wurde. Im Projekt „Stadt und Land im Fluss“ werden Ideen gesammelt, wie die Menschen mit den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels wie Hitze- und Trockenperioden, Starkregen und Sturm umgehen können.
Mehr Natur in die Stadt zu bringen und die natürlichen Funktionen von Pflanzen zu nutzen, so eine Erkenntnis, sei einer der einfachsten Wege, um einige Auswirkungen des Klimawandels abzupuffern. „Dachbegrünungen gab es schon im alten Babylon, bei den Römern und in der Renaissance“, berichtet Matthias Deventer von der AG. „Sie gibt es zur Kühlung in heißen Gebieten und zur Wärmedämmung in kalten Klimaregionen.“
Der Aufbau solch einer Dachbegrünung ist nicht schwierig: Dämmschicht, Wurzelschutzfolie, Schutzmatte, Drainageschicht, Substrat, Bepflanzung. 100 kg pro qm muss die Dachbeschaffenheit schon aushalten können, ab 20 Euro pro qm ist man dabei. Die Mehrkosten für ein Gebäude beziffert Deventer auf ein Prozent des Baupreises. „Diese Mehrkosten lassen sich durch geringere Wasserabflussmengen refinanzieren“, berichtet er. Die Stadt Bonn, so Deventers Kollegin Anna Bolte, tue sich schwer, Dachbegrünung zu fördern. Auflagen an Bauwillige zur Begrünung geeigneter Dachflächen seien mehrheitlich bereits 2010 abgelehnt worden. „Eine pauschale Verpflichtung zur Begrünung sei unangemessen und könne nicht städtebaulich begründet werden“, soll in der Begründung gestanden haben. Die Stadt bewertet das differenzierter.
„Indem wir grüne Flächen schaffen, haben wir weniger Flächen, die sich aufheizen können. Dadurch kühlt sich das Umfeld, das Mikroklima, ab“, sagt Matthias Deventer. Man gewinne mehr Luftfeuchtigkeit, was ebenfalls gut für das Klima ist. Mit der Dachbegrünung allein jedoch sei der Klimawandel nicht aufzuhalten.
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Betonprisma 79/99:
Das Gebäude ist nicht zu übersehen. In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs fällt es auch allen Bahnreisenden auf. Für die Stadt markiert es den westlichen Zugang zur Bonner Innenstadt. Jahrelang lag die Fläche an der heutigen Isaak-Rabin-Straße brach. Nun formen Zylinder und Quader einen kraftvollen Cityabschluss, vergleichbar einem Wehrturm in der Stadtmauer, und schließen die Lücke.
Hinter den Glas- und Metallflächen steht eine klare Stahlbetonskelettstruktur im Sinne einer modernen Haut- und Knochenkonstruktion, wie Mies van der Rohe, der geniale deutsche Architekt der klassischen Moderne, es formulierte. Stützen und Flachdecken aus Beton übernehmen die Funktion der „Knochen“, raumhohe Fensterelemente bilden die Haut. Die rationale Betonstruktur verschwand hinter den High-Tech-Elementen der Fassade. Was zu sehen ist, mutet wie eine ausgeklügelte Gebäudemaschine an.
Analysiert man das Ensemble, verstärkt sich der Eindruck, eine „Maschine“ vor sich zu haben. In diesem Sinne verwendete auch Le Corbusier das Wort, als er seine Wohngebäude als Maschinen bezeichnete. Nicht der Mensch sollte hier zum Rädchen im Getriebe werden, sondern alle Funktionen und Bauteile sollten optimal dem Zweck des Wohnens dienen. Das Bauwerk sollte nützlich sein und bequem bewohnt werden können. Infrastruktur und Logistik sollten dabei nicht nur im technischen, sondern auch im räumlichen Sinne unterstützende Hilfsmittel für das Wohnen sein.
Wohnmaisonetten, über zwei Geschosse reichende Wohnungen und Räume, horizontale Erschließungen für zwei Geschosse, Dachgärten und Gemeinschaftsräume waren die Folge dieser Gedanken. Das Wort „Maschine“ sollte in diesem Zusammenhang nicht die Funktion des Menschen umschreiben, sondern ein Hinweis darauf sein, wie technisch perfekt Räume und Gebäudehülle zu gestalten seien.
Solche Gedanken und Ideen stecken auch in Hülle und Fülle in dem Bonner Gebäude, das im Grunde aus zwei Teilen besteht. Dem Rundbau mit Atrium und dem Rechteckbau mit Parkhaus. Eingeschlossen ist ein Stadtbahntunnel und ein Busterminal, die das Objekt zum Multifunktionsbau machen.
Der Rundbau lehnt sich halbkreisförmig an das Parkhaus an. Er ist als Dreibundanlage konzipiert und reicht über sechs Geschosse. Unter ihm sind zwei Tiefgaragenebenen untergebracht, darüber ist, wie beim Nachbarbau, ein Dachgarten als Abschluss angelegt. Die Haupterschließung erfolgt von einem zentralen Aufzugs- und Treppenblock im Mittelpunkt des Kreises, von dem Stege zu den einzelnen Etagen gehen. In Verbindung mit weiteren Lichthöfen im Kern der Dreibundanlage ermöglichen zusätzliche Treppen die direkten Wege von Etage zu Etage.
Der Rechteckbau wird optisch an seinen Enden im Nordwesten und Südosten durch die Zylinder der Garagenrampen abgeschlossen. Auch hier gibt es zwei Tiefgaragenebenen. Außerdem befindet sich neben den Kasino- und Schulungsräumen ein Busterminal im Erdgeschoss. Über den Parkgeschossen der öffentlichen Hochgarage wurde eine mit einem Atrium verbundene Büroetage angelegt, über der sich wiederum ein großer Dachgarten erstreckt; hier soll auch gejoggt werden können.
Das technisch-energetische Konzept verdient besondere Aufmerksamkeit. Leitungen und deren Trassen sowie die entsprechenden Räume wurden bereits von Anfang an in die Architektur eingeplant. Die Gebäudeform, aus der Grundstückssituation entwickelt, sollte ein optimales A/V-Verhältnis haben und die Nutzen natürlicher Belichtung und Belüftung unterstützen. Die ableitenden Fassadenflächen wurden durch die Rundform minimiert und durch den verglasten Innenhof reduziert.
Der Innenhof dient nicht nur als Klimapuffer, sondern auch der natürlichen Belichtung der Büroräume in der Dreibundanlage. Zeitgleich werden über Luftbefeuchtung und Kühlung die atmoshärischen Qualitäten des Hauses verbessert. Auf aktive Solarsysteme wurde verzeichtet. Über die Fassadenflächen erfolgt eine passive Nutzung der Solarenergie. Für eine spätere Nachrüstung von Solarkollektoren oder einer Photovoltaikanlage ist aber gesorgt, auch auf dem Dach.
Die Lüftung der Büroräume erfolgt sowohl über Fenster als auch über ein träges Lüftungssystem (GraviVent). Die Überhitzung des Innenhofes wird im Sommer durch den natürlichen Auftrieb der Lüftung vermieden. Um die durch den Betrieb von Computern anfallende Wärme zu vermindern, wird in den Nachtstunden eine Querlüftung mit reiner Außenluft betrieben. Zur Nachtauskühlung werden auch die Speichermassen der sichtbaren Decken und Böden aus Beton eingesetzt.
Das gesamte Gebäude kann im Sommer in der Nacht quergelüftet werden (Nachtauskühlung). Der Fassadenbereich ist für moderne Technologien wie Sonnenschutz oder Sonnenlichtumlenkungssysteme nachzurüsten. Der Teich vor der Westfassade sorgt für ein positives Raumklima und verringert die Aufheizung der Luft im Sommer. Vorkehrungen für eine geschossweise Parzellierung sind technisch und räumlich getroffen. Gebäudegeometrie, Fassadengestaltung, Materialwahl, Lüftungs- und Lichtplanung zielen auf ein behagliches, motivierendes Raumklima ab. Durch Tageslichthöfe (sog. Lichtnägel) und in Verbindung mit den verglasten Fassaden und dem großen, wintergartenähnlichen Innenhof entsteht eine hohe Transparenz in den Innenzonen. Die geschosshohe Verglasung verstärkt den Tageslichtanteil und reduziert das Kunstlicht.
Versteckt aber wirksam gestalten Architekturelemente, die besonders Le Corbusier in seinen Bauwerken verwirklichte, den Bürobau Bonn. „Maschine“ ist hier kein Schimpfwort sondern die Bezeichnung für einen funktionierenden Bau, der Anforderungen an Technologie und Raumökologie gleichermaßen berücksichtigt. Stützen wie bei Domino-Haus und Villa Savoie, Dachgärten wie bei den Unités und ebenfalls bei det Villa Savoie, sind Hinweise auf die Addition der Architektur, der sich auch dieses Gebäude und sein Architekt verpflichtet fühlen.
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